Lörrach - Die Bundesverteidigungsministerin war am Montagabend eineinhalb Stunden lang im Saal des Theaters Tempus fugit zu Gast – wenn auch nur virtuell.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Lörrach - Die Bundesverteidigungsministerin war am Montagabend eineinhalb Stunden lang im Saal des Theaters Tempus fugit zu Gast – wenn auch nur virtuell. Bei der von Gudrun Heute-Bluhm moderierten Veranstaltung der „Zuhörtour“ berichtete die zugeschaltete Annegret Kramp-Karrenbauer über die Situation in Afghanistan und beantwortete Fragen aus dem Publikum.
Die Wortmeldungen zeigten, wie sehr die erneute Machtübernahme der Taliban und die Notevakuierung am Kabuler Flughafen die Menschen aufwühlt. Pfarrer Michael Hoffmann erkundigte sich nach den Fluchtchancen zurückgebliebener Schutzbedürftiger. Theaterleiterin Karin Maßen fragte, wie man den Menschen, die „an der Freiheit geschmeckt hätten“, jetzt noch Hoffnung machen könne.
Hilfsgesuche abgelehnt
Der aus Ulm zugeschaltete Oberbürgermeister Gunter Czisch konstatierte, dass das „Nation Building“ – das Transportieren unserer Wertvorstellungen in ein anderes Land – nicht funktioniere. Ein Saalgast, dessen Tochter selbst bei der Bundeswehr dient, dankte für die „bravourös gemeisterte Rettungsaktion“ in Kabul.

Derweil berichtete Annette Windhausen von der Schubert-Durand-Stiftung, Hilfsgesuche von mit dem Tod bedrohten Afghanen an das Auswärtige Amt seien abgelehnt worden. Und einer jungen Frau, die 2005 selbst aus Afghanistan nach Deutschland kam, verschlug es bei ihrer Frage an die Ministerin die Stimme.
Kramp-Karrenbauer bot an, gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und dem Innenministerium Fällen von sehr exponierten Personen nachzugehen. Namen könnten ihr über Gudrun Heute-Bluhm übermittelt werden.
Die Ministerin zeigte sich stolz über die Evakuierungsmission der Bundeswehr, durch die mehr als 5000 Menschen gerettet werden konnten. 80 Prozent der Personen, die in den vergangenen zwei Jahren für die Bundeswehr gearbeitet haben, seien bereits in Deutschland. Mit den Mitarbeitern früherer Jahre stehe man in Kontakt und führe Gespräche mit den Taliban über deren Ausreise. Bei den Ortskräften von Unternehmen und NGOs sei heute noch nicht klar, wer von ihnen im Land bleiben könne beziehungsweise wolle.
Was die Rechte von Frauen und Mädchen betrifft, drehten die Taliban das Rad Stück für Stück zurück, so die Politikerin. Gleichzeitig benötigten sie Zugang zu eingefrorenen Mitteln und internationale Anerkennung. Deren Gewährung müsse man an die Bedingung knüpfen, die Frauenrechte zu wahren. Dieser Hebel sei „umso kraftvoller, je mehr gemeinsam gehandelt wird“, sagte sie unter Anspielung auf Russland und China, die nun die Chance hätten, in Afghanistan Fuß zu fassen.
Russland: eine „große Herausforderung“
Generell sei Russland eine „große Herausforderung“ und China ein systemischer Rivale sowie zugleich Wirtschaftspartner Deutschlands, führte Kramp-Karrenbauer weiter aus. Die chinesische Regierung treibe ihr System „ohne Rücksicht auf Nachbarn“ voran. Vor diesem Hintergrund dürfe sich die NATO nicht auseinanderdividieren lassen: Die Sicherheit Deutschlands müsse jeden Tag neu verteidigt werden, betonte Kramp-Karrenbauer.

Markus Greiß, 21.09.2021

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