CDU-Zuhörtour - Dialog zum Thema „Jung und Alt im Quartier“ im Haus der Altenpflege

■ Von Rolf Reißmann

Lörrach. Erst beim genaueren Hinsehen oder beim Eintreten wird die besondere Atmosphäre des Gebäudes Mozartstraße 27 deutlich: Das Haus der Altenpflege ist ein Mehrgenerationenhaus. Einerseits wohnen hier Senioren, werden altersgerecht betreut und versorgt. Unten aber sind im vorigen Jahr 20 Kinder eingezogen und besuchen nun den Kindergarten „Sonnenplatz“, der zum Kinderland gehört.
Diese Mischung und die Ausstrahlung auf die Umgebung war ausschlaggebend für die CDU Lörrach, hier am Montag unter dem Titel „Jung und Alt im Quartier“ eine Station ihrer Zuhörtour abzuhalten. Zwar hielt wohl die Hitze einige Interessierte ab, dennoch fanden sich 20 Interessierte zum Gespräch mit dem Demografiebeauftragten des Landes, Thaddäus Kunzmann, ein.
Nun ist es für die meisten Bürger keine Neuigkeit, dass unsere Gesellschaft altert, aber Kunzmann fügte etliche neue Erkenntnisse an. So werde dieser Prozess, abgesehen von den Stadtstaaten, nur in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg etwas langsamer verlaufen, weil diese Länder noch über viele Jahre Zuzugsgebiet bleiben werden, so Kunzmann. Und da die neuen Einwohner meist wegen der Arbeit dorthin ziehen, verjüngten sie gleichzeitig auch die Gesellschaft, denn über 50-Jährige wechselten nur selten noch einmal den Arbeits- und Wohnort.
Der Fachkräftemangel zeige sich hingegen in der gesamten Republik, so Kunzmann. Doch in Bundesländern mit stabiler Wirtschaft – wie in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg – sei der Mangel besonders ausgeprägt. Den Gedanken, fehlende Kräfte aus dem Ausland zu holen, bezeichnete Kunzmann als wenig zielführend: „Osteuroopa hat niemanden mehr herzugeben, sonst geht es dort an die Substanz.“
Dank des gegenwärtigen Zuzugs bleibe in Baden-Württemberg die Gesellschaft immer noch ausgeglichen. Doch auch wenn der Altersdurchschnitt hier etwas niedriger als in anderen Bundesländern sei, bleibe der Süden nicht von den Negativfaktoren verschont. Dazu gehöre die Anzahl allein lebender Menschen, in Lörrach sind dies immerhin 41 Prozent der Haushalte. Weitere 32 Prozent der Haushalte werden von zwei Personen bewohnt. Dem gegenüber steht der Anteil von 53 Prozent des Wohnungsbestandes als Einfamilienhäuser, nur 29 Prozent sind drei- und Mehrfamilienhäuser.
Willi Brunen von der Wohnbau Lörrach unterstrich diese Feststellung mit dem Hinweis, dass viele allein oder zu zweit Lebende in großen Wohnungen zu Hause sind. Deshalb sei es besonders dringlich, mehr Wohnungen altersgerecht umzugestalten. Große Wohnungen für weniger Personen fördern auch deren Vereinsamung. Deshalb widmet die Wohnbau dem Gemeinschaftsleben in vielen Formen besondere Aufmerksamkeit: Mieterfeste, Aktionsfonds zur Unterstützung von Bildung und Kultur, aber auch Selbsthilfegruppen gehören dazu.
Den Gedanken der Generationenverbindung griff auch Angelika Mauch, Geschäftsführerin des Familienzentrums Kinderland Lörrach, auf. Im Haus Mozartstraße 27 sei eine Lösung gefunden worden, deren Vorteile sich immer stärker abzeichneten. Dort nehmen die Kinder im gleichen Saal wie die Senioren ihr Mittagessen ein, die Kontakte seien inzwischen so intensiv, dass nicht selten Kinder die Gesprächsthemen der Senioren bestimmten.
In der abschließenden Diskussion standen die altersgerechten Wohnungen im Mittelpunkt: Familien sollten stärker darauf hinwirken, dass ihre Ältesten zweckmäßig wohnen und umziehen, so lange es noch gut möglich ist. Das trage erheblich dazu bei, lange in der eigenen Wohnung zu leben. Kunzmann bekräftigte dies mit der Feststellung, dass der Wohnungsbau für Senioren am ehesten Wohnraum für junge Familien schaffe. Überhaupt sahen Gäste und Referenten die Bündelung von Kapazitäten als wichtige Voraussetzung, um mit generationengerechter Ausstattung auch wirklich eine altersmäßige Durchmischung der Wohngebiete zu erreichen.

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