Lörrach. Die Lörracher CDU-Vorsitzende Ulrike Krämer hatte dazu die Pfarrer Thorsten Becker und Michael Hoffmann, Sabine Bieg (stellvertretenden Stiftungsratsvorsitzende der katholischen Kirchengemeinde Lörrach) und den SAK-Geschäftsführer und CDU-Kreisvorsitzenden Jürgen Rausch in das Union-Kino zur Diskussion eingeladen Im Anschluss wurde der Wim-Wenders-Film „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“ gezeigt.

Offene Diskussionen über Inhalte wichtig

„Welche Ansprüche stellt das große C im Parteinamen an das politische Handeln und was erwarten Sie von der CDU?“, formulierte Moderatorin Gudrun Heute-Bluhm im gut gefüllten Saal die Leitfrage des Abends. In ihren Eingangsstatements strichen die Gesprächspartner die Würde des Menschen als den zentralen Gradmesser für politisches Handeln heraus.

Für Jesus Christus seien alle Menschen gleich wertvoll. Daher müsse die Politik versuchen, im politischen Handeln der gleichen Würde aller Menschen etwa in der Debatte um Abtreibung oder Sterbehilfe Rechnung zu tragen, so Pfarrer Becker von der katholischen Kirchengemeinde Lörrach.

Sein evangelischer Kollege Hoffmann aus Alt-Weil betonte, dass ein wesentliches Kennzeichen einer christlichen Partei im respektvollen Umgang mit anderen Menschen und deren Vielfalt bestehen müsse. Gleichzeitig seien offene Diskussionen über Inhalte zentral wichtig.

Aus der Praxis der sozialen Arbeit heraus kritisierte Jürgen Rausch, dass gerade leistungsunfähige Menschen in der Gesellschaft wenig Respekt erführen. Man müsse die Menschen spüren lassen: Ihr seid ebenwürdig, auch wenn ihr die Leistungsziele nicht erreicht. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Rausch ein bedingungsloses Grundeinkommen als einen möglichen Weg der Würdigung.

Im Gesprächsverlauf gingen aus dem Publikum schriftliche Fragen zu verschiedenen Themen wie Flucht, dem Verhältnis zu anderen Religionen sowie zum Tier- und Umweltschutz ein. Die Massentierhaltung stieß bei allen Diskutanten auf Ablehnung. Sabine Bieg forderte, diese Form der Tierhaltung nicht aus dem Auge zu verlieren und zu intervenieren.

Mit Blick auf das Verhältnis zum Islam nannte Pfarrer Hoffmann als „Manko in vielen muslimischen Gemeinschaften, dass eine Meinung vorgegeben wird.“ Liberale Muslime würden eher ausgegrenzt. Pfarrer Becker forderte eine kritische Auseinandersetzung und Begegnung der Religionen untereinander, während Sabine Bieg die Grenzen der Religionsfreiheit dort verortete, „wo Unterdrückung stattfindet“.

Zum Thema Flüchtlinge stellten die Gesprächsteilnehmer eine zunehmende Erschöpfung unter den ehren- und hauptamtlichen Helfern fest, die verständlich sei. Gleichzeitig sei sehr viel geschafft worden, so Pfarrer Becker. Er verteidigte Angela Merkels Entscheidung, in der Flüchtlingskrise 2015 die „Menschen in Not über das Recht“ gestellt zu haben. Pfarrer Hoffmann warnte in diesem Zusammenhang vor Hetze gegenüber Flüchtlingen. Migration als „Mutter aller Probleme“ zu bezeichnen sei Unfug.
von Markus Greiß

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